Auszug aus dem regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreis Göttingen 2010

- Satzung über die Feststellung der Änderung und Ergänzung des Regionalen Raumordnungsprogrammes für den Landkreis Göttingen: Diese Satzung tritt am Tage nach der Bekanntmachung im Amtsblatt für den Landkreis Göttingen in Kraft. Göttingen, den 14.12.2011 -

Abschnitt 3.1.2:
Natur und Landschaft

01
Für den Naturhaushalt, die Tier- und Pflanzenwelt und das Landschaftsbild wertvolle Gebiete, Landschaftsbestandteile und Lebensräume sind zu erhalten und zu entwickeln.

  1. Bei der Abstimmung raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen sind die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege besonders zu berücksichtigen. Dabei ist grundsätzlich anzustreben, wertvolle Bereiche in ihrer Qualität und ökologisch funktionsfähigem Zusammenhang umfassend und nachhaltig zu sichern. Neben der Vermeidung einer direkten Inanspruchnahme sind auch mittelbare negative Auswirkungen zu berücksichtigen.
  2. Für das System der naturschutzrechtlich festgesetzten Schutzgebiete ist in Abstimmung mit den raumordnerischen Erfordernissen eine Entwicklung anzustreben. Zur nachhaltigen Sicherung der besonders wertvollen Kernbereiche sind zum Schutz vor Beeinträchtigungen auch ausreichend bemessene Pufferzonen sowie Vernetzungsstrukturen im Sinne von 3.1.2 02 zu berücksichtigen und mit einzubeziehen.

  3. Darüber hinaus ist die nachhaltige Sicherung auf die Erhaltung des naturbezogenen Erlebnisraumes zu beziehen. Landschaftsbereiche, die einschließlich der historisch geprägten, charakteristischen Ortsbilder günstige Voraussetzungen für das Landschaftserleben aufweisen, sind in ihrer Wertigkeit zu erhalten. 
02
Zur nachhaltigen Sicherung von heimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Populationen einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensgemeinschaften sowie zur Bewahrung,  Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen ist ein landesweiter Biotopverbund aufzubauen. Darin sollen wertvolle, insbesondere akut in ihrem Bestand bedrohte Lebensräume erhalten, geschützt und entwickelt sowie untereinander durch extensiv genutzte Flächen verbunden werden.

      1. Bei der Beurteilung raumbedeutsamer Planungen sind die Erfordernisse zur Sicherung und Entwicklung der Funktionsfähigkeit regionaler Biotopverbundsysteme – bezogen auf den gesamten Planungsraum - zu berücksichtigen. Die festgelegten vorrangig schutzwürdigen größeren Gebiete sind als wichtige flächenhafte Bestandteile in ein funktional zusammenhängendes Netz ökologisch bedeutsamer Bereiche einzubinden. Dabei sind die Möglichkeiten der Entwicklung verschiedener Biotopverbundsysteme (z. B. Halbtrockenrasen-, Waldbiotop-) zu berücksichtigen. Ausgehend von den naturräumlichen Gegebenheiten im Planungsraum ist bei der Entwicklung regionaler Vernetzungsstrukturen den Fließgewässern einschließlich der Auenbereiche ein besonderes Gewicht zuzumessen, deren naturnaher Zustand zu erhalten bzw. zu entwickeln ist. In diesem Sinne sind Renaturierungs- und Pflegekonzepte sowie wasserwirtschaftliche Bewirtschaftungs- und Unterhaltungsrahmenpläne insbesondere unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Nutzungen und der Fischerei aufzustellen und umzusetzen. Auf der Grundlage naturschutzfachlicher Konzepte sind regionale Verbundsysteme zu entwickeln, die in den landesweiten Biotopverbund einzubinden und durch gemeindliche  Konzepte zu ergänzen sind. 

        Zur Unterstützung der Umsetzung sind die Fördermöglichkeiten, die Programme bieten, genauso wie Kooperationen zwischen den Trägern der Belange Naturschutz, Wasser-, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei zu nutzen.
      2. Die für den Naturschutz bedeutsamen Gebiete sind gemäß § 20 BNatSchG als wichtige flächenhafte Bestandteile in ein funktional zusammenhängendes Netz ökologisch bedeutsamer Bereiche einzubinden.

      3. Geschädigte und an naturnaher Substanz verarmte Gebiete und Landschaftselemente sollen so entwickelt werden, dass die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts verbessert wird. In Gebieten mit nicht naturbedingter Biotop- und Artenarmut ist die Vielfalt der Biotope und Arten zu erhöhen.
03
Geschädigte und an naturnaher Substanz verarmte Gebiete und Landschaftselemente sollen so entwickelt werden, dass die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts verbessert wird. In Gebieten mit nicht naturbedingter Biotop- und Artenarmut ist die Vielfalt der Biotope und Arten zu erhöhen.
  1. Die Defizite hinsichtlich des Biotop- und Artenpotenziales bzw. der Funktionsfähigkeit
    des Naturhaushaltes sind in den festgelegten flächenhaften Gebieten
    • Weser- und Werraaue
    • Leineaue westlich Bovenden
    • Leinetal und Randbereiche zwischen Friedland, Reinhausen und Rosdorf
    • Hochfläche zwischen Beienrode und Landolfshausen
    • Untereichsfeld nordwestlich Duderstadt
    sowie der linienhaften Bereiche (z. B. Niemeoberlauf, ...) entsprechend den Zielen des Landschaftsrahmenplanes vordringlich zu beheben.
04
Für Gebiete, die durch extensive standortabhängige Bewirtschaftungsformen entstanden sind, sollen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden, die die natürlichen Abläufe sichern. Extensiv oder nicht genutzte Flächen, besondere Landschaftsbestandteile sowie kleinräumige Differenzierungen des Landschaftsbildes sollen auch durch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung gesichert und entwickelt werden.
  1. Extensivierungs-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sind durch Koordination in abgestimmte regionale Konzepte auf Grundlage der Ziele des Landschaftsrahmenplans(LRP) einzubinden.
  2. Im Rahmen land- und forstwirtschaftlicher Nutzungen ist zu gewährleisten, dass die standortangepassten, extensiven, historisch gewachsenen Landnutzungsformen und raumtypischen Orts- und Landschaftsbilder erhalten werden. Die Möglichkeiten, die
    der Vertragsnaturschutz, die ökologische Landbewirtschaftung und eine umfassende Einbindung der Landwirtschaft in aufzustellende Bewirtschaftungs- und Pflegekonzepte auch zur Existenzsicherung bäuerlicher Betriebe bieten, sind zu nutzen. Gleiches gilt für die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung der Wälder. Diese Zielereichung ist auch im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist gegebenenfalls auch eine Kopplung mit Retentionsräumen zur Hochwasservermeidung (Reaktivierung von Altgewässern und natürlicher Überschwemmungsgebiete) anzustreben.
  3. Die durch ein erlebnisreiches Landschaftsbild geprägten Landschaftsräume sind vor Veränderungen nachhaltig zu schützen. Die kulturlandschaftliche Charakteristik ist in ihrem Erscheinungsbild und der ökologischen Wertigkeit zu erhalten. Die jeweiligen
    prägenden natur- und kulturraumtypischen Elemente und Strukturen der Morphologie, Vegetation und Nutzungen sind zu sichern.
05
Bei allen raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen sind die Schutzerfordernisse der
folgenden Gebiete zu berücksichtigen:

a. Gebiete mit international, national und landesweit bedeutsamen Biotopen,
b. Gebiete mit Vorkommen international, national und landesweit bedeutsamer Arten,
c. Gebiete von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für den Naturschutz,
d. Gebiete mit landesweiter Bedeutung für den Moorschutz,
e. Gebiete mit landesweiter Bedeutung für den Fließgewässerschutz.

Die Gebiete sind nach Abwägung ihrer Schutzerfordernisse in den Regionalen Raumordnungsprogrammen räumlich festzulegen und entsprechend ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung als Vorranggebiet oder Vorbehaltsgebiet Natur und Landschaft oder als Vorranggebiet oder Vorbehaltsgebiet Grünlandbewirtschaftung, -pflege und -entwicklung zu sichern. Gemäß den rechtlichen Vorgaben und entsprechend ihrer jeweiligen naturschutzfachlichen Bedeutung sind Nationalparke und Naturschutzgebiete in den Regionalen Raumordnungsprogrammen als Vorranggebiet Natur und Landschaft, Biosphärenreservate als Vorranggebiet oder Vorbehaltsgebiet Natur und Landschaft oder als Vorranggebiet oder Vorbehaltsgebiet  Grünlandbewirtschaftung, -pflege und -entwicklung zu sichern. Die landesweit bedeutsamen Gebiete sollen in den Regionalen Raumordnungsprogrammen um die jeweils notwendigen Pufferzonen ergänzt werden.
  1. Die als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegten, für den Naturschutz aus europäischer, landesweiter und regionaler Sicht gem. Landschaftsrahmenplan (LRP) besonders wertvollen Gebiete, die

    • Lebensräume seltener und/oder bedrohter Tier- und Pflanzenarten
    • in besonderem Maße naturnahe Wälder, Trocken- und Magerrasenstandorte, Still und Fließgewässer, Feuchtgebiete und –wiesen und
    • geowissenschaftlich wertvolle Bereiche und seltene Landschaftsbestandteile

    umfassen, sind vordringlich zu schützen und gegenüber Beeinträchtigungen nachhaltig zu sichern. Eine Entwicklung und Unterschutzstellung ist anzustreben, wenn ein Schutzbedarf wegen erheblicher Beeinträchtigungen oder Gefährdungen des Gebietes besteht. Das vom Niedersächsischen Forstplanungsamt in Zusammenarbeit mit der Naturschutzverwaltung im Rahmen des LÖWE-Programms1 erarbeitete Waldschutzgebietskonzept ist dabei besonders zu berücksichtigen. Bei raumordnerischen Entscheidungen ist den entsprechenden Erfordernissen ein besonders hohes Gewicht zuzumessen.

  2. Die als Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft festgelegten, aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege wertvollen, Landschaftsbereiche sind in ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt, das Landschaftsbild, die Erholungseignung  sowie für den Erhalt der kulturlandschaftlichen Charakteristik entsprechend den §§ 19 und 22 NAGBNatSchG und dem LRP zu sichern. Die mit dem Schutzzweck zu vereinbarenden land- und forstwirtschaftlichen Bodennutzungen sind in dem Sinne zu erhalten und zu fördern, dass sie entsprechend der
    Eignung und besonderen Bedeutung einer nachhaltigen Sicherung dienlich sind.

  3. Bei Maßnahmen an Rase, Beverbach und Rhume sowie den dazugehörigen, regional eingebundenen Neben- und Verbindungsgewässern sind die Anforderungen des Fließgewässerschutzprogrammes(FGSP) des Landes Niedersachsen zu berücksichtigen.
Abschnitt 3.1.3:
Natura 2000

01

Die Gebiete des europäischen ökologischen Netzes „Natura 2000“ sind entsprechend der jeweiligen Erhaltungsziele zu sichern.

02
In den Vorranggebieten Natura 2000 sind raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen nur unter den Voraussetzungen des § 34 c des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (NNatG) zulässig.2 Vorranggebiete Natura 2000 sind die Gebiete, die
  1. in die Liste nach Artikel 4 Abs. 2 Unterabschnitt 3 der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. EG Nr. L 206 S. 7) in der jeweils geltenden Fassung eingetragen sind (Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung),
  2. der Europäischen Kommission nach Artikel 4 Abs. 1 der Richtlinie 92/43/EWG benannt sind
    (FFH-Vorschlagsgebiete) oder
  3. 3. nach § 34 a Abs. 2 NNatG unter Bezug auf Artikel 4 Abs. 1 oder 2 der EGVogelschutzrichtlinie
    zu Europäischen Vogelschutzgebieten erklärt worden sind.3
    Sie sind in der Anlage 2 festgelegt oder, soweit sie kleinflächig (kleiner als 25 ha) sind, im Anhang
    2 aufgeführt. Tritt eine Änderung des nach Satz 2 maßgeblichen Gebietsstandes ein, so
    macht die oberste Landesplanungsbehörde diese Änderung im Niedersächsischen Ministerialblatt
    bekannt.
Die Vorranggebiete Natura 2000 sind in den Regionalen Raumordnungsprogrammen räumlich
festzulegen.

Die Vorranggebiete Natura 2000 können entsprechend den Erhaltungszielen durch weitere Festlegungen
von Vorrang- oder Vorbehaltsgebieten überlagert werden.
  1. Die aufgrund ihrer internationalen Bedeutung als Vorranggebiete Natura 2000 festgelegten Gebiete des europäischen ökologischen Netzes „Natura 2000“ sind vor negativen Auswirkungen besonders zu schützen (Verschlechterungsverbot). Raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen sind auf ihre Verträglichkeit mit den für die Gebiete festgelegten Erhaltungszielen zu überprüfen. Raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen, die ein Natura 2000 Gebiet beeinträchtigen könnten, sind nur unter den Voraussetzungen des § 26 NAGBNatSchG4 zulässig. 

Grafische Darstellung des regionalen Raumordnungsprogramm 2010



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Anmerkung: Weitere Erklärungen bzgl. der Legende sind aus der unten angegebenden Quelldatei zu entnehmen.

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